Die Schmerzgrenze der deutschen Öffentlichkeit oder: „Kantine ohne Fleisch ist wie Künast ohne ü“

Was gab es nicht alles für Skandale in der letzten Zeit, die man hätte öffentlich anprangern können: die hemmungslose Bespitzelung der NSA in aller Welt und in einer Gründlichkeit, die ehemaligen Stasi-Offiziere vor Neid ergrünen lässt. Den Skandal darüber, dass ein Mann sieben Jahre in der Psychiatrie verschwindet, weil er Wahrheiten ausspricht, und das nicht in Putins russischem Reich sondern mitten in Deutschland, naja, sagen wir, mitten in Bayern. Den Skandal um die Justizministerin dieses kriegerischen Alpenvölkchens, die sich nicht entblödet, nachdem sie zunächst alles getan hat, den Skandal um Gustl Mollath kleinzureden und jegliche Aufklärung daran wortreich zu verhindern, jetzt als Retterin von Gustl Mollath zu inszenieren. Nicht zuletzt der Dauerbrenner „Stuttgart 21“, der quasi im Tagestakt neuen Anlass zur Empörung gibt.

All das hätte man zum Anlass nehmen können, aufzuspringen und laut aufzuschreien: „SO NICHT!“.

Doch was passiert statt dessen? Statt dessen veröffentlicht die BILD-Zeitung, die Mutter allen Gossenjournalismus‘, die Keimzelle des schlechten Geschmacks und der Banalität einen „Artikel“, der vom reißerischen Titel bis zum letzten Komma schlicht und ergreifend durch und durch erstunken und erlogen ist und was tut das Volk? Es empört sich!

Worum ging es in dem „Artikel“ der Bild-Zeitung? Um nichts geringeres als um einen Punkt im Programm der GRÜNEN, der nicht nur schon mehrere Jahre alt ist, sondern der darüber hinaus etwas beinhaltet, was jeder, der auch nur für 10 ct. Verstand im Kopf hat, sofort und ohne Abstriche unterschreiben könnte, ganz gleich, ob er nun Parteigänger, Anhänger oder Mitglied der grünen Partei ist oder nicht. Es geht darin um nichts geringeres als darum, dass die Deutschen viel zu viel zu viel zu viel Fleisch essen und dass das mit immer mehr und mehr Leid für die Tiere in den Fleischfabriken, in den Schlachthöfen, in den „Produktionsstätten“ der Schnitzel, Burger und XXL-Steaks unserer Republik verbunden ist.

Das Schmierenblatt aus Hamburg mit den vier blutverschmierten Buchstaben titelte also ebenso falsch wie niederträchtig: „Die Grünen wollen uns unser Fleisch verbieten“. Und was passiert? Sofort geht ein Sturm der Entrüstung durch die Medienlandschaft. Der Blätterwald stürmt, die Kommentatoren von Nord bis Süd tragen Schaum vor dem Mund! Nochmal: nicht etwa über die Enthüllungen von Ed Snowden, oder darüber, dass jeden Tag Tausende und Abertausende unschuldige Männer, Frauen und Kinder in den brutalen Konflikten dieser Welt dahin geschlachtet werden, damit der eine oder andere durchgeknallte Potentat seine Allmachtsphantasien durchsetzen kann. Das wäre geradezu belanglos, es sind gleichsam Bagatellen verglichen mit dieser entsetzlichen Nachricht der Bild-Zeitung. SIE WOLLEN UNS UNSER FLEISCH VERBIETEN!!! Das kann ja wohl nicht wahr sein! jetzt wollen uns diese Öko-Faschisten schon vorschreiben, was wir essen dürfen!!

Haben wir dafür Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut mit unseren bloßen Händen? Haben wir dafür in Leipzig und Ostberlin für die Freiheit demonstriert? Haben wir dafür unsere Männer und Frauen in Afghanistan geopfert? Dass die Grünen uns jetzt unser Fleisch verbieten wollen??? 

Liebe Empörte, liebe an Rabies erkrankte Mitmenschen, liebe Grill-Nahkämpfer von FDP und CDU: die Grünen wollen euch gar nichts wegnehmen. Sie haben lediglich zum denkbar falschen Zeitpunkt, nämlich mitten in der heißen Phase des bislang vollkommen ereignislosen Bundestagswahlkampfes, einer Zeit also, in der alle Mittel erlaubt zu sein scheinen, versucht, euer Bewusstsein dafür zu schärfen, dass wir Deutschen in unserem Leben „Vier ganze Rinder, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner“ (Heinrich-Böll-Stiftung, „Fleischatlas 2013“) verputzen, für die in der Massentierproduktion zehntausende Schlachttiere auf brutalste Weise als „Produktionsfaktor“ auf Maximalausbeutung hin gezüchtet und getötet werden, dass man ihnen das Schmerzzentrum im Gehirn lahmlegt, damit sie nicht mehr spüren, wenn sie noch mehr „optimiert“ werden. Das alles ist euch aber egal, weil ihr am liebsten noch mehr Fleisch essen würdet, wenn es noch billiger wäre als es jetzt schon ist.

Weil ihr aber irgendwo in eurem Unterbewusstsein ganz offensichtlich ein unglaublich schlechtes Gewissen habt, das euch wieder und wieder und wieder einhämmert, wie krank das ist, dass Menschen in der dritten Welt an Hunger sterben, weil auf den Feldern, auf denen man Getreide anbauen könnte und damit alle Hungernden sättigen könnte, lieber Sojabohnen angebaut werden, monokulturell und die Böden auslaugend, um damit dann das Schlachtvieh zu füttern, dass auf eure Teller kommt; wie pervers es ist, dass bei uns unter erbärmlichen Zuständen unter anderem beim derzeitigen Hauptsponsor eines großen deutschen Fußballvereins Millionen und Abermillionen Hühnchen „produziert“ werden, von denen dann bestenfalls Brust und Keule auf unseren Tellern landen, während der Rest, das, wofür sich die fitnessbewusste deutsche Durchschnittssportlerin zu schade ist, mit dem Schiff nach Afrika (!!!!) transportiert wird, wo es dann so billig verkauft wird, dass die Einheimischen, die ein paar Hühner halten, davon gelegentlich eines schlachten und zum nächsten Markt tragen um es dort zu verkaufen, damit die Familie für die nächsten Tage versorgt ist, auf ihren Hühnchen sitzen bleiben und wieder kein Geld mit nach Hause bringen können… Ja, für die Fleischindustrie hierzulande ist es tatsächlich möglich, selbst dann, um es deutlicher zu sagen, wenn sie ihre FLEISCHABFÄLLE EXPORTIEREN, mit dem Schiff um die halbe Welt karren, diese vor Ort immer noch gewinnbringend zu verramschen – was den Einheimischen jede Möglichkeit nimmt, selbst etwas Geld zu erwirtschaften! „Erst kommt das Fressen und dann die Moral“, heißt es bei Bertolt Brecht. Hier ist es noch schlimmer: hier kommt erst das „fressen“, dann „fressen“ die Einheimischen dort unseren Müll, die Moral bleibt komplett auf der Strecke und die Manager der Geflügelindustrie freuen sich darüber, dass die Deutschen so scharf auf ihre Hühnchen sind.

Weil ihr das natürlich nicht zugeben könnt – deshalb, ja, deshalb shitstormt ihr lieber gegen die Grünen, die euch euer Schnitzel madig machen wollen. Auch wenn sie es eigentlich gar nicht wollen. Scheißegal.

Hauptsache, es gibt genügend Grillfleisch und die Bundesligasaison fängt pünktlich an. Dann herrscht wieder Frieden im Land. Dann ist der deutsche Michel selig. Schlaf, Michel, schlaf.

Ergänzend noch ein paar weiterführende Links zum Thema:

Der Blog-Beitrag meiner Blogger-Kollegin Marianne Kreichgauer, die sich auch sehr wertvolle Gedanken zu diesem Thema gemacht hat.

Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der  mal geschaut hat, was ein „veggie-day“ für diejenigen bedeutet, die unter dem unsäglichen Fleischkonsum der Deutschen am meisten leiden müssen.

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Leckereien an einem Sommerabend… Teil I

Hallo!

Am Sonntag war ich mit ein paar sehr netten, lieben, interessanten, streitbaren, engagierten, kreativen, vernünftigen, unkonventionellen, unglaublich witzigen und ebenso ernsthaften Menschen im Palast der Republik. Palast der Republik? Wie? Der war doch in Berlin und ist jetzt ein großes Bauloch!!! Nein, nicht in Erichs Lampenladen, sondern im mit Sicherheit gefragtesten Klohäuschen Stuttgarts. Der „Palast“ in der Stuttgarter Innenstadt wurde vor vielen Jahren zur kleinsten Kneipe der Stadt umgebaut und ist seither längst kein Geheimtipp mehr.

Bei kesselfieber.de findet man diese Beschreibung für den „Palast“, die eigentlich keine Fragen offen lässt:

Eine Location der besonderen Art ist der Palast der Republik, kurz „Palast“ genannt. Eigentlich besteht er lediglich aus einem kleinen Barraum mit der Theke und den Zapfhahnen (Bier zu günstigem Preis ist hier das beliebteste Getränk), den Toiletten im Untergeschoss und dem großen Outdoor-Bereich rund um den Palast mit einigen Tischen, Stühlen und Bierbänken. Ohne viel Schnickschnack und auf’s Nötigste reduziert, lässt sich hier vor allem im Sommer gemütlich chillen, mit bekannten oder auch unbekannten Leuten palavern und der Abend genießen. Das ist sicher auch der Grund, weshalb es in den warmen Monaten des Jahres immer gnadenlos überfüllt ist und ein Großteil der Leute gar auf dem Boden Platz nimmt. Das macht aber hier niemandem etwas aus, denn schließlich gibt es keinen anderen Ort in der Stadt, wo sich so relaxed bei einem oder mehreren Bierchen in Gesellschaft die Zeit verbringen lässt.

Das schöne am „Palast“ ist, dass es völlig egal ist, wenn man selbstgemachtes Essen mitbringt, weshalb ich mich entschlossen habe, selbst gebackenes mitzubringen.

 

Schokoleckerkuchen

Ihr braucht:

3 EL Sojamehl + 6 EL Wasser
125 ml Öl
250 g Zucker
Vanillezucker
250 g Mehl
1 Pck. Backpulver
4 EL Kakao
180 ml Hafermilch

Sojamehl und Wasser zusammenmischen, zur Seite stellen.

Öl und Hafermilch zusammen in ein hohes Rührgerät geben und kurz durchmixen, damit sich die Flüssigkeiten verbinden.

Die trockenen Zutaten in eine Schüssel geben.

Die flüssigen Zutaten dazugeben.

Sojamehl-Wasser.-Gemisch hinzufügen.

Gut mit dem Handmixer durchmixen.

Den Teig in eine ausgefettete und mit Hartweizengrieß bzw. Semmelbröseln oder aber einfach mit Backpapier ausgekleidete Kastenform geben oder auf ein mit Backpapier ausgekleidetes Backblech streichen (daraus kann man dann nach dem Backen und Abkühlen Brownies machen!).

Bei 180°C 30 Minuten backen.

Guten Appetit!

PS: Zu diesem Rezept gibt es kein Bild – ich hab’s schlicht vergessen…. 🙂

 

Vom Lebens-Wert

Zum ersten Mal wurde ich sehr nachdenklich, als am Tag, nachdem ich fröhlich bewegt und inspiriert vom Vegan Street Day hier in Stuttgart war, als ich in einer Diskussion um das Thema „Blutspende“ die Aussage fand „Ich spende kein Blut, weiß ich denn, ob am Ende nicht ein Fleischesser mein Blut bekommt und dadurch am Leben bleibt“. Ich musste diesen Satz – den ich hier nicht mehr wörtlich wiedergeben kann, aber sinngemäß durchaus – mehrmals lesen, weil ich mir beim ersten Mal nicht sicher war, ob ich das wirklich gelesen hatte.
Da sagt ein Mitglied einer Gruppe in facebook allen Ernstes: lieber stirbt ein Mensch, dessen Fehler es ist, Fleisch zu verzehren, bevor er mein Blut bekommt. Welches Weltbild, welches Menschenbild steckt hinter einer solchen Aussage? Ich nehme den Tod eines Menschen billigend in Kauf, weil er meinen Lebensstil nicht teilt. Das muss man sacken lassen, so etwas hört man nicht alle Tage. Glücklicherweise war ich nicht der einzige, der diese Aussage sofort und sehr deutlich kritisiert hat. Aber dennoch bleibt die Frage: wie kann ein Mensch, der ganz offensichtlich über sehr viel Empathie Tieren gegenüber verfügt, dennoch so eiskalt und gefühllos Menschen gegenüber sein? Wie groß muss die Enttäuschung über Menschen sein, damit man so wird. Kann das alleine daran liegen, dass diese Menschen Fleisch essen? Kann die Tierliebe so weit gehen?

Anfangs war ich schockiert und entsetzt und bin es immer noch, aber ich habe mir überlegt, ob es nicht daran liegen könnte, dass diese – ich glaube es war eine „sie“ – Userin sich sehr intensiv mit dem Thema Tierleid auseinandergesetzt hat und sich angesichts dessen, was aus der industriellen Tierhaltung oder auch einfach nur von brutalen Tierquälern jeden Tag zu sehen und zu hören ist, eine ganz tiefe Wunde in die Seele der Frau geschlagen hat.
Die Frage bleibt: ist es dennoch gerechtfertigt, eine solche Haltung an den Tag zu legen? Ich denke, bei allem Verständnis für ihre Wut und ihre Verbitterung: nein. Nein, es kann und darf nicht sein, dass uns das Wohl der Tiere wichtiger ist als das Wohl der Menschen. Damit würde man den einen Denkfehler durch einen anderen ersetzen.

Letztlich kann es doch nur darum gehen, dass Menschen und Tiere in Eintracht und Harmonie MITeinander leben. Weder darf der Mensch die Tiere, die unsere Mitgeschöpfe sind und genau so von göttlichem Odem beseelt sind wie wir, zu seinem eigenen Wohl ausbeuten, noch kann es uns egal sein, wenn Menschen leiden.

Tieren wurde im Verlauf der Menschheitsgeschichte unendliches Leid von Menschen zugefügt und das ist nach wie vor so. Tiere werden ausgebeutet, Tiere werden als Versuchsobjekte missbraucht, sei es für die Medizin, für kosmetische Produkte, Chemikalien oder ganz besonders perfide: zur Erprobung von Kriegswaffen. Tiere werden aus schierer Lust am Quälen brutal misshandelt, Tiere verkommen zur Ware, Tiere dienen dem menschlichen Spaß- und manchmal sogar dem menschlichen Lustgewinn.

Ebenso wurde Menschen im Lauf der Menschheitsgeschichte unendliches Leid von anderen Menschen zugefügt und auch das ist nach wie vor so. Kriege, Pogrome, Inquisition, die Shoah, der Einsatz von Agent Orange in Vietnam, Chemiewaffen in Liyben, „Kolateralschäden“ beim „Chirurgischen Krieg“ im Golf, der 11. September, Rostock, Mölln, Solingen, der alltägliche Rassismus, um nur einige der furchtbaren Verbrechen von Menschen an Menschen.

Ich bin Christ. Aus Überzeugung, aus einem tief in mir verwurzelten Glauben. Eine der Personen der Kirchengeschichte, die mich persönlich am meisten beeindruckt haben, war Giovanni Battista Bernardone, besser bekannt als Franziskus von Assisi. Der Heilige Franziskus war der Sohn reicher Eltern, der als junger Mann beschlossen hat, seinen Reichtum aufzugeben, ihn buchstäblich seinem Bischof und seinem Vater vor die Füße geworfen, um fortan nach dem Vorbild Jesu zu leben. Der heilige Franziskus gilt als Schutzpatron der Tiere, ihm zu Ehren wird am 4. Oktober der Welttierschutztag gefeiert. Man sagt, er habe eine besondere Beziehung insbesondere auch zu Tieren gehabt und er sah in allen beseelten und unbeseelten Lebewesen, wie er es nannte, also in allen Menschen, Tieren und Pflanzen Geschöpfe und damit Geschenke Gottes. Obgleich ich evangelisch bin, habe ich zu diesem Heiligen der katholischen Kirche eine besondere Verbindung. Schon als kleiner Junge war ich davon fasziniert, wie er mit Vögeln betete, wie er ganz selbstverständlich alle Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen ehrte  und würdigte.

Und genau deshalb ist es für mich auch völlig undenkbar, dass ich gleichgültig daneben stehe, wenn einem Tier Leid zugefügt wird. Genau so undenkbar wäre es für mich aber, dabei zuzusehen, wie einem Mensch Leid angetan wird. Beide haben mein Mitgefühl und meine Hilfe verdient. Und wenn durch meine Hilfe, durch meine bewusste Entscheidung, kein Fleisch und keine tierischen Produkte mehr zu verzehren, das Leid der Tiere verringert werden kann, dann wiegt das für mich nicht weniger, aber auch nicht mehr, als wenn durch meine Hilfe – und im Zweifelsfall durch mein Blut – einem Mensch das Leben geschenkt werden kann.

Ich habe als Kind sehr häufige und lange Krankenhausaufenthalte und viele Operationen über mich ergehen lassen müssen. Ohne die Hilfe von Menschen, die ich nicht kenne, und die mich nicht kennen, wäre ich heute nicht mehr am Leben. Denn diesen Menschen – oder vielmehr ihrem Blut – habe ich zu verdanken, dass die Operationen, die für mich über-lebenswichtig waren, erfolgreich durchgeführt werden konnten. Hätten diese Menschen so gedacht wie die junge Frau in der Gruppe, dann gäbe es dieses Blog nicht, dann gäbe es diesen Artikel nicht. Dann wäre ich vor ziemlich genau 43 Jahren im Alter von einem Jahr verstorben.

Das Seitan-Trauma – oder wie ich versuchte, aus Weizeneiweiß Fleisch zu machen

Ich habe mich letztes Wochenende mit dem Thema Seitan auseinandergesetzt. Seitan ist ein sogenanntes “Fleischersatzprodukt” aus dem Klebereiweiß von – in diesem Falle – Weizen, dem sogenannten Gluten. “Gluten? Da war doch was!” wird sich jetzt der eine oder andere vielleicht denken. Ja, da war was. Viele Menschen leiden an einer Unverträglichkeit gegen das Klebereiweiß in Getreiden, das Gluten. Diese Unverträglichkeit, die sehr unterschiedlich ausgeprägt und von leichtem Unwohlsein nach dem Genuß von Getreideproduken bis hin zu schweren Abwehrreaktionen des Körpers führen kann, nennt man in der Medizin “Zöliakie oder “Sprue”. Zöliakie ist eine sogenannte “Unverträglichkeit”, sie ist im Unterschied zur Allergie also nicht heilbar durch Desensibilisierung oder durch Medikamente zu unterdrücken. Wer an Zöliakie erkrankt ist, muss einige Verhaltensregeln an den Tag legen und sich genau an die erlaubten Nahrungsmittel für Menschen mit Zöliakie halten. Worin Gluten enthalten sein kann und welche Nahrungsmittel man mit Zöliakie bedenkenlos zu sich nehmen kann, darüber gibt die Homepage der “Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e. V.” auf ihrer Homepage Auskunft.

Da ich nicht an einer solchen Unverträglichkeit leide, habe ich mich also daran versucht, selbst Seitan herzustellen. Das kann man, wenn man fleißig ist, indem man aus einem Kilo Mehl (Weizen, Dinkel oder jede andere glutenreiche Getreidesorte) die Stärke durch wiederholtes Wässern vom Gluten trennt, oder man macht es sich leicht und besorgt sich Gluten in Pulverform oder einen Seitankloß zum weiterverarbeiten. Ganz Faule können auch fertige Produkte aus Seitan kaufen, da ich aber generell kein großer Freund von Convenience Food bin, habe ich mich entschlossen, den Mittelweg zu gehen und mir Glutenpulver besorgt.

Dieses habe ich dann streng nach der Zubereitungsanleitung auf der Tüte verarbeitet (das Pulver muss 1:1 mit Wasser vermischt geknetet und dann in einem Sud aus Gewürzen gekocht werden, bevor es anschließend weiterverarbeitet werden kann) und heraus kam ein glitschiger Kloß, der – in Scheiben geschnitten – die Konsistenz von Knorpel oder Fahrradreifen hatte. Selbst nachdem ich ein kleines Stückchen davon frittiert habe, hat sich an der Grundkonsistenz nichts geändert, nur dass der Fahrradreifen sich eben unter einer knusprigen Kruste versteckt hat.

Dermaßen traumatisiert habe ich in diversen veganen Gruppen auf Facebook, in denen ich mich häufig herumtreibe, um Hilfe gebeten  und auch prompt sehr liebe Menschen gefunden, die mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind. Ich werde die Fahrradreifen nun also – empfehlungsgemäß noch drei Tage im eigenen Saft vor sich hin gammeln ziehen lassen und dann einen erneuten Versuch unternehmen, aus den seltsam anmutenden Scheiben etwas leckeres zu basteln! Ich halte euch auf dem Laufenden!

PS: Zur Ehrenrettung des Seitan muss man sagen, dass ich ihn bereits ausserhalb meiner eigenen Küche und von Profis zubereitet gegessen und genossen habe, weshalb ich vermute, dass das größte Problem bei der Zubereitung derjenige war, der ihn zubereitet hat. Wer sich gerne noch weiter mit Seitan auseinandersetzen und vielleicht ein solches Abenteuer auch einmal bestehen möchte, dem seien folgende Homepages ans Herz gelegt:

Sammelthread für Seitanherstellung und -verwendung bei chefkoch.de

Seitan aus Weizengluten selber machen – Schritt für Schritt

Seitan im Glas

Seitanwurst selbst gemacht


Viel Spaß und “Guten Appetit”!

Wie, du bist jetzt Veganer? Du isst kein Fleisch mehr?

Nein, gar keins. Und um es gleich hinzuzufügen: auch keinen Fisch, kein Geflügel, keine Wurst, keinen Schinken. Aber auch keine Milch, keinen Käse, kein Joghurt, keinen Quark und so weiter und so weiter. Gar nichts vom Tier. Nicht vom toten und auch nicht vom lebendigen.

Und tatsächlich habe ich ja schon länger aufgehört, Fleisch und Wurst zu essen. Nur bei Käse, Quark und Joghurt – da bin ich schwach gewesen. Und bin es noch, ich gebe es zu, denn ich würde lügen, wenn ich jetzt sagen würde, das hab ich alles hinter mir, das habe ich nämlich nicht und vegan wird man auch nicht von heute auf morgen.

Aber zurück zum Anfang. Wie ich ja schon erwähnt habe, bin ich Vegetarier. Das heißt, ich esse kein Fleisch und keine Fleischprodukte, wohl aber – man nennt das “Ovo-Lacto” – Milch und Milchprodukte, also Käse, Joghurt, Quark etc. Seit einem starken Jahr habe ich aber einen direkten Link in die vegane “Szene”, über meine liebe Freundin Daniela Polak, die selbst inzwischen überzeugte Veganerin ist und die mich quasi angefixt hat, mich für diese Lebensweise zu begeistern. Glücklicherweise ist sie – wie auch der liebe Thorsten “Putte” Puttenat – sehr undogmatisch, was es mir erleichtert, meinen Weg mit Freude zu gehen, denn leider, das habe ich inzwischen gelernt, gibt es in der veganen Szene leider auch sehr selbstgerechte, dogmatische Zeitgenossen und damit komme ich generell sehr schwer klar, weil diese Charaktereigenschaft umgehend meinen stark ausgeprägten Widerspruchsgeist weckt. Was wiederum meine Charakterschwäche ist.

Vor einer Woche war “Vegan Street Day” in Stuttgart, eine tolle Veranstaltung, die einmal im Jahr stattfindet und bei der sich die vegane Szene Süddeutschlands der Öffentlichkeit vorstellt. Es gibt Musik, Kochshows, Diskussionsrunden, Vorträge, es gibt, wie man auf Kirchentagen sagen würde, einen Markt der Möglichkeiten, also ganz, ganz viele interessante Infostände, wo sich vegane Initiativen, Lokale, Hersteller von veganen Produkten vorstellen und wo man sich über deren Angebote informieren kann. Auch 2014 wird es wieder einen Vegan Street Day geben. Der Vegan Street Day für den Norden der Republik findet übrigens am 10. August 2013 in Dortmund statt: http://veggie-street-day.de/vsd-2013/dortmund/

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal beim Stuttgarter “VSD” mitgemacht, ich habe zwei Stunden lang Getränke verkauft und war – wie schon im letzten Jahr – überwältigt von dem breiten Angebot und vor allem von den vielen, vielen Menschen, die sich für die vegane Lebensweise interessieren, weshalb ich mittlerweile überzeugt bin, dass Veganismus auf dem besten Weg ist, seine Nische zu verlassen und in die breite Bevölkerung hineinzuschwappen. Was natürlich zu begrüßen wäre.

Warum jetzt aber ausgerechnet vegan? Nun, dafür gibt es im Grunde zwei Gründe: ethische und gesundheitliche. Der ethische Aspekt ist relativ einfach zu erklären, überall dort, wo der Mensch glaubt, in Tieren nur noch einen ausbeutbaren Produktionsfaktor zu sehen, den er sich nach Effizienzkriterien zurechtzüchtet, wird Tieren großes Leid angetan. Und es spielt dabei keine Rolle, ob das Tier nun sterben muss, um dem Menschen als Nahrung zu dienen oder ob es “nur” ausgebeutet wird. Einen guten Einstieg in die Thematik Veganismus bietet die Tierrechtsorganisation PETA auf ihrer Homepage: http://www.peta.de/. Dort findet man auch das “Vegan-Probeabo”: http://www.veganstart.de/ Die bisweilen grausamen Bilder, die man dort und bei anderen Tierrechtsorganisationen zu sehen bekommt, sind starker Tobak, aber sie bilden die Realität ab, wie sie ist: grausam und überhaupt nicht romantisch.