Das Seitan-Trauma – oder wie ich versuchte, aus Weizeneiweiß Fleisch zu machen

Ich habe mich letztes Wochenende mit dem Thema Seitan auseinandergesetzt. Seitan ist ein sogenanntes “Fleischersatzprodukt” aus dem Klebereiweiß von – in diesem Falle – Weizen, dem sogenannten Gluten. “Gluten? Da war doch was!” wird sich jetzt der eine oder andere vielleicht denken. Ja, da war was. Viele Menschen leiden an einer Unverträglichkeit gegen das Klebereiweiß in Getreiden, das Gluten. Diese Unverträglichkeit, die sehr unterschiedlich ausgeprägt und von leichtem Unwohlsein nach dem Genuß von Getreideproduken bis hin zu schweren Abwehrreaktionen des Körpers führen kann, nennt man in der Medizin “Zöliakie oder “Sprue”. Zöliakie ist eine sogenannte “Unverträglichkeit”, sie ist im Unterschied zur Allergie also nicht heilbar durch Desensibilisierung oder durch Medikamente zu unterdrücken. Wer an Zöliakie erkrankt ist, muss einige Verhaltensregeln an den Tag legen und sich genau an die erlaubten Nahrungsmittel für Menschen mit Zöliakie halten. Worin Gluten enthalten sein kann und welche Nahrungsmittel man mit Zöliakie bedenkenlos zu sich nehmen kann, darüber gibt die Homepage der “Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e. V.” auf ihrer Homepage Auskunft.

Da ich nicht an einer solchen Unverträglichkeit leide, habe ich mich also daran versucht, selbst Seitan herzustellen. Das kann man, wenn man fleißig ist, indem man aus einem Kilo Mehl (Weizen, Dinkel oder jede andere glutenreiche Getreidesorte) die Stärke durch wiederholtes Wässern vom Gluten trennt, oder man macht es sich leicht und besorgt sich Gluten in Pulverform oder einen Seitankloß zum weiterverarbeiten. Ganz Faule können auch fertige Produkte aus Seitan kaufen, da ich aber generell kein großer Freund von Convenience Food bin, habe ich mich entschlossen, den Mittelweg zu gehen und mir Glutenpulver besorgt.

Dieses habe ich dann streng nach der Zubereitungsanleitung auf der Tüte verarbeitet (das Pulver muss 1:1 mit Wasser vermischt geknetet und dann in einem Sud aus Gewürzen gekocht werden, bevor es anschließend weiterverarbeitet werden kann) und heraus kam ein glitschiger Kloß, der – in Scheiben geschnitten – die Konsistenz von Knorpel oder Fahrradreifen hatte. Selbst nachdem ich ein kleines Stückchen davon frittiert habe, hat sich an der Grundkonsistenz nichts geändert, nur dass der Fahrradreifen sich eben unter einer knusprigen Kruste versteckt hat.

Dermaßen traumatisiert habe ich in diversen veganen Gruppen auf Facebook, in denen ich mich häufig herumtreibe, um Hilfe gebeten  und auch prompt sehr liebe Menschen gefunden, die mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind. Ich werde die Fahrradreifen nun also – empfehlungsgemäß noch drei Tage im eigenen Saft vor sich hin gammeln ziehen lassen und dann einen erneuten Versuch unternehmen, aus den seltsam anmutenden Scheiben etwas leckeres zu basteln! Ich halte euch auf dem Laufenden!

PS: Zur Ehrenrettung des Seitan muss man sagen, dass ich ihn bereits ausserhalb meiner eigenen Küche und von Profis zubereitet gegessen und genossen habe, weshalb ich vermute, dass das größte Problem bei der Zubereitung derjenige war, der ihn zubereitet hat. Wer sich gerne noch weiter mit Seitan auseinandersetzen und vielleicht ein solches Abenteuer auch einmal bestehen möchte, dem seien folgende Homepages ans Herz gelegt:

Sammelthread für Seitanherstellung und -verwendung bei chefkoch.de

Seitan aus Weizengluten selber machen – Schritt für Schritt

Seitan im Glas

Seitanwurst selbst gemacht


Viel Spaß und “Guten Appetit”!

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