Auch mein Hausarzt findet gut, dass ich Veganer bin…

Heute bin ich faul. Faul insofern, weil ich heute lediglich auf meinen Blog „Wenn das Weniger immer mehr wird“ verweise. Dort erzähle ich seit ungefähr drei Monaten davon, wie ich mir weniger Gewicht und meinem Leben mehr Qualität verleihen möchte.

Weil damals, als ich den Blog zu schreiben begann, mein Hausarzt einen Diabetes mellitus bei mir diagnostiziert hat und mir dringend eine Verhaltens- und Ernährungsveränderung ans Herz gelegt hat, wenn ich noch ein paar Jahre leben will, und weil jetzt drei Monate vergangen sind und man einen ganz bestimmten Wert über eine Blutuntersuchung bestimmen kann, der Aufschluss gibt darüber, ob und wie sich die Glucose-Werte im Blut in den vergangenen drei Monaten verändert haben, war ich am Dienstag zur Blutentnahme und heute zum Gespräch bei meinem Hausarzt.

Und hier könnt ihr lesen, was dabei herausgekommen ist!

Mandel-Zopf total

Ich weiß nicht, wie es euch geht. Bei mir ist es so, dass im Herbst, wenn es draußen langsam kalt und unschön wird, ich das Bedürfnis habe, nachmittags eine kleine Kaffeetafel zu zelebrieren. Am liebsten natürlich mit leckerem selbstgebackenem, seien es nun Kuchen oder Kekse – oder aber wie heute ein leckerer Hefezopf. 

Heute war es mir danach, etwas besonderes zu machen, deshalb habe ich mich entschlossen, den Zopf mit selbtgemachter Mandelmilch zu backen und den Trester, der beim Herstellen der Milch anfällt, als leckere Füllung in den Zopf einzuarbeiten. Ich hoffe, ihr habt ähnlich viel Freude am Backen wie ich – ein wunderbarer Duft zieht gerade durch meine Wohnung!

Dazu habe ich erst einmal eine Mandelmilch hergestellt, und zwar in der schnellen Variante, also nur kurz eingeweicht. 500 Gramm Mandeln in einen Mixer, mit mindestens 1 Liter Wasser auffüllen und etwa 1 Stunde einweichen lassen. Danach so lange durchmixen, bis alle Mandeln komplett zerkleinert sind. Über ein mit einem Küchentuch ausgelegten Sieb in einen hohen Topf geben, danach sehr, sehr gut ausdrücken, damit möglichst alle Flüssigkeit im Topf landet. Den übrigen Mandeltrester in einen zweiten Topf geben, diesen beiseite stellen. Er wird später als Fülle gebraucht.

Für den Teig braucht ihr:

1.200 Gramm Dinkelmehl Type 630
600 ml Mandelmilch
250 Gramm Alsan
160 Gramm Zucker
42 Gramm (1 Würfel) frische Hefe
1 TL Salz

Für die Fülle braucht ihr:

Den Mandeltrester, der bei der Milchherstellung übrig geblieben ist
250 ml Mandelmilch
150 Gramm Zucker
1 TL gemahlene Vanille

Das Alsan in einem kleinen Töpfchen verflüssigen mit geringer Hitze. Mandelmilch dazu geben, solange abkühlen lassen, bis die Flüssigkeit lauwarm ist. Unbedingt so lange warten, damit die Hefebakterien nicht zerstört werden, denn als nächstes bröckelt ihr den Hefewürfel dazu. Ein paar Minuten warten, dann die angeweichte Hefe gut einrühren.

In die Schüssel der Küchenmaschine oder in eine große Rührschüssel das Mehl sieben, den Zucker und das Salz dazu geben, gut durchmischen. Die Alsan-Mandelmilch-Hefemischung darüber geben und dann entweder 10 Minuten mit der Maschine auf kleiner Stufe mit dem Knethaken oder von Hand mit Muskelkraft so lange kneten, bis der Teig glatt ist und sich gut von der Schüssel löst.

Den Teig danach eine Stunde mit einem Küchentuch abgedeckt an einem warmen Ort ruhen lassen.

Zu dem Mandeltrester 150 Gramm Zucker, 250 ml Mandelmilch und die Vanille dazu geben, unter ständigem Rühren kurz aufkochen, von der Herdplatte nehmen und beiseite stellen.

Hinweis: Unbedingt ständig rühren, sonst brennt die Mischung am Topfboden an.

Den Teig nochmal gut durchwirken, dann in vier gleich große Teile teilen.

Dann nacheinander die vier Teigteile 50 cm lang und 15 – 20 cm breit ausrollen, jeweils ein Viertel der Mandelmasse darauf geben, gut verteilen und dann die Teigplatte erst von der oberen langen Seite zur Mitte falten, die Seiten einschlagen und dann von der unteren langen Seite zum oberen Rand umschlagen.  Zur Seite legen, mit einem scharfen Meser so tief einschneiden, dass es aufreißt, wenn der Teig weiter geht.

Dann je zwei der Teigrollen ineinander flechten, Enden umschlagen und auf ein mit Backpapier ausgelegten Backblech auslegen. Nochmal etwa eine halbe Stunde gehen lassen. In der Zeit den Backofen auf 200 °C vorheizen.

Dann die beiden Zöpfe nacheinander etwa 25 Minuten backen. Ihr könnt ein Gefäß (feuerfeste Tasse etc) mit kaltem Wasser auf das Backblech stellen, dann geht der Zopf beim Backen besser auf.

Wer mag, kann dann nach dem Backen den Zopf noch mit einem Guss aus Puderzucker, Wasser und Zitronensaft bestreichen. Muss aber nicht sein, da der Zopf auch so schon sehr, sehr süß ist.

Beim zweiten Zopf habe ich unter die Mandelmischung noch eine in kleine Stückchen zerbrochene Tafel vegane Bitterschokolade gerührt, das gibt dem Zopf noch eine schokoladige Note.

Guten Appetit!

Grea Göib Roud…

… oder: Gefüllte grüne Paprika mit Kurkuma-Reis und Tomatensoße

Gefüllte Paprika. Ein Leckerschmeckerwohlfühlessen aus Kindertagen, eines meiner Lieblingsessen vor 30 Jahren und mehr. Ich dachte, es ist mal wieder an der Zeit für diese Reminiszenz an die Kindheit. Inspiriert wurde ich zu diesem Rezept von einer Bekannten, die mir den Tipp gab, dass man Falafel-Fertigmischungen, die man mit etwas zu viel Flüssigkeit macht, hervorragend als Füllung für besagte gefüllte Paprikaschoten verwenden kann.

Einen solchen Tipp lasse ich mir nicht zweimal geben, gesagt, getan und ausprobiert!

3 grüne Paprikaschoten
100 Gramm Reis
400 ml Wasser
1 Pck. Falafel-Mix
1 kleine Dose Tomatenstückchen
Tomatenmark
1 TL Currypulver
Gemüsebrühpulver
etwa 1 TL Balsamico-Essig
etwas Zucker
1 Prise Salz
1 EL Sojasoße

Falafel-Mix nach Anleitung vorbereiten, etwa 50 – 100 ml mehr Wasser zugeben, als auf der Packung steht.

Backofen auf 220 °C vorheizen.

In einem Topf 400 ml Wasser aufsetzen, 1 TL Gemüsebrühe und 1 TL Kurkuma-Pulver dazugeben und umrühren. Reis dazu geben. Kurz aufkochen, dann vom Herd nehmen und abgedeckt etwa 20 Minuten ziehen lassen.

2 Paprikaschoten „köpfen“ und das Innere herausmachen, ebenso die Rippenwände entfernen. Die dritte Paprikaschote in kleine Würfel schneiden. Zwiebel schälen und schneiden.

Paprikaschoten mit dem gequollenen Falafel-Mix füllen und in eine kleine feuerfeste Auflaufform stellen. Etwas Wasser oder Brühe in die Form geben und im Backofen etwa 20 – 3o Minuten garen, dabei immer nachsehen, ob noch etwas Flüssigkeit am Boden der Form ist, ggf. nachgießen.

In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen und die Paprikawürfelchen bei mittlerer Hitze andünsten. Nach einiger Zeit die Zwiebelstückchen dazu geben und weiter dünsten. Sojasoße und Tomatenmark dazugeben, gut durchrühren und weiter dünsten. Tomatenstücke dazu geben und evtl. etwas Wasser. So lange weiterdünsten, bis die Paprikastückchen einen angenehmen Biss haben. Mit den Gewürzen nach Belieben abschmecken.

Wenn der Reis gar ist, eine Kaffeetasse mit warmem Wasser ausschwenken, dann mit Reis füllen, bis die Tasse richtig voll ist. Auf den Teller stürzen und Tasse abheben. Tomatensoße um den Reis herum anrichten und Paprika auf dem Teller anrichten.

Guten Appetit!

Ach ja: Hier der Link zu „Grea göib roud“ von Hans Söllner.

gefüllte Paprika

Mac ’n‘ Cheese – ohne Mac und ohne Cheese…

Es gibt Tage, an denen braucht man das: einen Teller voll Nudeln mit einer cremigen Soße, viel zu viele Kalorien – aber einfach lecker! So ein Tag ist heute, draußen ist irgendwie den ganzen Tag Dämmerung, es mag nicht wirklich hell werden, der Winter steht vor der Tür, ich will ihn aber noch gar nicht reinlassen und deshalb war heute Zeit für Maccaroni and Cheese! Nun versteht es sich natürlich von selbst, dass man als Veganer keine „echte“ Käsesoße macht und Maccaroni hatte ich natürlich auch keine im Haus, statt dessen wurden es Farfalle mit einer leeeckeren Käsesoße, die ich auf der Seite des Apfelveganers fand und euch nicht vorenthalten möchte!

Die Mengenangaben des Apfelveganers sind allerdings für eine sehr, sehr fettige Soße und eine noch größere Menge Nudeln gedacht (er geht von einem bis anderthalb Pfund aus), ich habe die Soße leicht modifiziert und gut 2/3 in einer verschlossenen Glasschüssel in den Kühlschrank gestellt und werde mindestens noch morgen ein weiteres Mal dieses leckere Wohlfülessen zu mir nehmen können – aus Alibi-Gründen dann allerdings vermutlich mit einem leckeren Kopfsalat dazu! Man ernährt sich ja schließlich bewusst!🙂

Hier nun Mac ’n‘ Cheese frei nach dem Apfelveganer

300 ml Sojamilch
100 ml Wasser
75 Gramm Alsan oder Öl (ich habe eine Mischung aus Oliven- und Sonnenblumenöl genommen=
1 TL Salz
70 Gramm Hefeflocken
2 EL Paprikapulver (edelsüß und rosenscharf)
3 Knoblauchzehen
1 EL Senf
1 großer Schuss Sojasoße
200 Gramm Tofu
Nudeln nach Belieben

Alle Zutaten (natürlich außer den Nudeln) in einem Mixer oder mit dem Zauberstab homogen mixen, nebenbei die Nudeln kochen.

Nachdem die Nudeln fertig gekocht (ruhig sehr al dente kochen, die Nudeln garen ja noch nach im Backofen) und abgetropft sind, in eine ungefettete Auflaufform geben, die Soße darüber geben und bei 230 Grad etwa 10 Minuten im Ofen überbacken.

Guten Appetit!

mac n cheese

Danke für fünfzehn wundervolle Jahre…

Mein lieber kleiner Hausmeister, mein lieber Schatz Gromit,

jetzt ist es endlich so weit. Jetzt hast du es geschafft. Hattest einfach keine Lust mehr, hast dir gedacht, „Mensch, Kerle, du bist jetzt alt genug, bist aus dem gröbsten raus – du kommst jetzt auch ohne mich klar“. Vor mehr als einer Woche hast du beschlossen, dass es Zeit für dich ist, zu gehen.

„Mopsi“ hat 2012-12-20 11.28.24dich unsere gute Freundin Dany immer genannt. Weil du doch immer so ein stattlicher kleiner Kerl warst. Schon damals, als du zu mir kamst, mit deinem Brüderle Wallace, Einen guten Appetit hattest du schon immer. Wallace ist damals wie vom Teufel verfolgt schnurstracks unters Bett gerast und dort erst mal einen Tag lang geblieben. Alles war neu, alles war anders für ihn als in Korntal, auf seinem Bauernhof. Kannst du dich noch erinnern, wie Vera, Frank und ich euch beide abgeholt haben? Und während Wallace erstmal abgetaucht ist, bist du völlig entspannt aus dem Körbchen gewackelt, hast kurz geschnuppert, ob die Luft rein ist und bist erstmal ganz gemütlich zum Fressnapf getapst um dich zu stärken.

2013-10-31 08.38.57Deshalb habe ich auch gleich gewusst, dass du keine Lust mehr hast, als du vor über einer Woche einfach aufgehört hast zu essen. Egal, was ich dir angeboten habe, du hast das Köpfchen zur Seite gedreht und gesagt „Nein, danke“. Und so stark abgenommen hast du in den letzten anderthalb Wochen. Am Schluss warst du fast wieder so leicht wie damals, als du mit deinem Bruder bei mir angekommen bist. Was wohl aus ihm geworden ist? Wie es Wallace wohl geht? Ob er wohl noch hier unten ist oder schon oben auf dich gewartet hat?

100_1774Ihr wart schon ein tolles Team, ihr beiden. Weißt du noch, als Wallace, die Sportskanone, raus hatte, wie man von der Fensterbank aus auf den Kleiderschrak hüpfen konnte? Und als er dann oben auf dem Schrank saß, in Zuffenhausen, in der WG – und triumphierend runtergeguckt und dir regelrecht die Zunge rausgestreckt hat? Und du saßt da, auf der Fensterbank, und hast sehnsüchtig raufgeschaut zu ihm und dich geärgert, weil du nicht genau so sportlich warst! Ich weiß nicht, wie oft du es versucht hast, und immer wieder auf den Boden geplumpst bist. Aber irgendwann hattest du ’s raus! Und bist wie ein Adler auf den Schrank geflogen! Naja, vielleicht nicht ganz so behend. Aber immerhin. Und dann saßt du da oben. Und warst stolz. Und glücklich. Für einen kurzen Augenblick. Dein nächster Gedanke war dann: wie komme ich hier wieder runter?? Naja, ganz einfach: So lange kläglich miauen, bis einer kommt und dich rettet. Das war dann halt ich. Bloß, irgendwann hab ich dir dann gesagt: „Wer alleine auf den Schrank rauf kommt, der kommt auch alleine wieder runter!“ Fies, nicht wahr? Aber du hast deine Methode gefunden. Einfach mit den Vorderpfoten in der Türabschlusskante einhängen, dannn gaaaanz langsam mit den Hinterläufen runterrutschen und dann – einfach fallen lassen! Das hat vielleicht gerumst! Und ich bin mir sicher, besonders sanft war die Landung auch nicht.

020Aber du hattest deinen Spaß und hast das dann andauernd gemacht. Bis der boshafte alte Sack unter uns sich bei der Eigentümerin beschwert hat. Er könne nachts nicht schlafen. Meinte er. Weil diese asozialen Kriminellen aus der WG jetzt auch noch Katzen haben! Und die trampeln dann die ganze Nacht durch die Wohnung! „Trampeln“. 2x 200 Gramm Lebendgewicht. Wir haben gelacht und uns vorgestellt, wie ihr beide durch die Wohnung flitzt, mit Pferdehufen an den Füßen oder mit Stepschuhen an!

100_1753_editedAch ja, Wallace… Ich dachte damals, das ist der schlimmste Tag in meinem Leben, als ich ihn weggeben musste. Aber wir mussten uns von ihm trennen. Wir waren damals ja schon nicht mehr in der WG. Und in der kleinen Einzimmer-Wohnung konnte ich euch beide nicht von einander trennen, aber weil bei Wallace schon die Geschlechtsreife eingesetzt hatte und er dich nicht mehr erkannt hat, als du aus der Klinik nach Hause kamst, dachte er, du bist ein Eindringling, der ihm sein Revier streitig machen will. Er hat das einzig Folgerichtige getan, aus seiner Sicht: er wollte dich weghaben. Mit allen Konsequenzen. Er hat gemerkt, du bist ein leichter Gegner, schwach, verwundet – und immer mit diesem saublöden Plastikkragen um den Hals, der dich so gestört hat. Und er hat versucht, dich totzubeißen. Da musste ich erst euch beide trennen und dann zur Notaufnahme ins Krankenhaus gehen, das – Gott sei Dank – nur ein paar Meter weiter weg war. Genäht werden musste ich, am Kopf und am Arm. Als ich ihn abgegeben habe im Tierheim, haben die zu mir gesagt, ich darf ihn dort nicht besuchen, damit die Trennung nicht so schwer für ihn wird. Aber ich bin mir sicher, er ist bestimmt bald in gute Hände vermittelt worden. Klein, süß und gesund, wie er nun einmal war – ein Sonnyboy! So einer bleibt nicht lang alleine!

2012-07-27 14.58.39Und jetzt? Jetzt sitze ich wieder hier, heule Rotz und Wasser. Die ganze letzte Nacht konnte ich nicht schlafen, weil ich immer darauf warten musste, dass du gleich ins Schlafzimmer geschlichen kommst, zu mir ins Bett hüpfst und dich neben mich schmiegst. So, wie wir zwei das immer gemacht haben, in all den Jahren. Aber du wirst nicht mehr kommen. Nie mehr. Heute liegst du noch hier, in deinem Körbchen. Morgen bist du dann weg. Für immer.

100_1594100_1593Kannst du dich noch an Fredi, Willi und die kleine Anja erinnern? Damals, als ich nach Tübingen musste in die Klinik? Und wir beide für ein knappes halbes Jahr bei meinen Eltern eingezogen sind, weil ich für die Nachsorge und die Rekonvaleszenz nicht auf ‚m Dorf, draußen auf der Alb bleiben konnte? Das war was, nicht wahr? Gut, Willi und Fredi, die haben sich gar nicht so sehr für dich interessiert.

100_1659100_1447Aber dieses Katzenmädle, Anja, diese kleine freche Göre, die wollte immer zu dir kommen und ich war mir nicht sicher, ob sie mit dir schmusen oder dir lieber die Augen auskratzen wollte! Sie war ein ein kleines Biest, das immer streiten wollte! Wir haben damals lieber keine Experimente gewagt und ihr nicht erlaubt, dass sie dich mal besuchen kommt. Dabei hat sie alle Tricks versucht, doch mal durch die Tür zu huschen! Aber ich glaube, du hättest es auch nicht gewollt, dass sie zu dir kommt – ob nun zum streiten oder zum schmusen. Du hast dich gefürchtet vor fremden Katzen. Du wolltest lieber deine Ruhe haben und mit mir schmusen. Aber ich glaube, ihr habt euch doch klammhemlich angefreundet, Anja und du. Durch den Türschlitz, sozusagen. Als wir beide wieder augezogen waren, als wir nach Stammheim umgezo100_1969gen sind zu meiner Oma, um ihr beizustehen in den letzten Jahren ihres Lebens, da hat mir meine Mum erzählt, dass Anja ganz traurig vor der Tür meines früheren Kinderzimmers gelegen hat, tagelang, weil wir nicht mehr da waren. Und als meine Eltern dann ins Nachbarhaus gezogen sind – wie oft saßt du da auf der Fensterbank und hast leise vor dich hin geseufzt in Richtung Anja… und sie saß in ihrer Wohnung und hat zurück geschmachtet… ich denke, ihr beiden habt euch längst verabschiedet, zu einer Zeit, als ich noch nicht mal ahnen konnte, was du demnächst vohaben wirst.

100_1745Die Zeit mit Oma, das war auch so was! Weißt du noch? Ganz behutsam hast du dich im Wohnzimmer in den Sessel gesetzt, direkt ihr gegenüber. Bist einfach da gesessen und hast zu ihr rüber geschaut. Und sie hat dich angeschaut. Es war so rührend. Als Oma, die damals ja schon ganz schwer dement war, dich entdeckt hat, wie du da so im Sessel saßt, hat sie dich ganz lange angeschaut. Und dann hat sich ein Lächeln in ihr Gesicht gezaubert, sie hat mit dem Finger auf dich gezeigt und gesagt „Guck mal, die Katze!“ – das war ein so wundervoller Moment. Ihr habt euch geliebt, ihr beiden. Heiß und innig. Was komisch war, denn als Oma noch jünger war und gesund, hat sie immer große Angst vor Katzen gehabt. Sie hatte doch diese Schilddrüsen-OP als junge Frau und hatte immer vor allem Angst, das ihr die Luft nehmen könnte. Und weil Katzen halt nun einmal haaren, hat sie sich fast nie auch nur in die Nähe von Katzen getraut, aus Angst, sie könnte Haare in den Hals bekommen und daran ersticken. Und jetzt saßt auf einmal du da, sie hat dich in ihr altes großes Herz geschlossen und von da an hatte ich fast allen Grund, eifersüchtig zu werden! Du hast dich an sie schmiegen dürfen, du durftest ihr auf den Schoß klettern und sie hat dich gestreichelt. Ganz behutsam.

044Und als Oma dann für immer die Augen zugemacht hat, hast du ganz liebevoll vor ihrem Bett gesessen und auf sie aufgepasst, bis sie abgeholt wurde. Und du hast mich getröstet, als Oma dann nicht mehr da war und es auf einmal so still wurde in der Wohnung. Wie du mich so oft getröstet hast, wenn ich einmal nicht mehr weiter wusste, wenn die Welt für mich schwarz und hoffnungslos war. In den schlimmen zwei Jahren, als ich in der Pflegeausbildung war und mir so übel mitgespielt wurde, als ich so oft fix und fertig war, nicht mehr weiter wusste. Und als ich dann die Notbremse gezogen und die Ausbildung abgebrochen habe, weil es nicht mehr ging – du warst immer an meiner Seite, du hast immer gemerkt, wenn es mir schlecht ging und hast alles getan, damit es mir wieder besser geht.

Ab jetzt muss ich das ohne dich hinbekommen. Obwohl. Du wirst von da oben runter schauen und mir ab und zu auf die Schulter tippen und sagen „Geht schon! Du packst das!“ Du bist den Weg gegangen, den du gehen musstest. Morgen fahren wir gemeinsam nach Möhringen. Und da bekommst du dann dein letztes Plätzchen. 100_1380Da darfst du dich dann zu deinen beiden Kumpels Willi und Fredi legen. Bestimmt haben die beiden Jungs dich gestern da oben abgeholt, als du angekommen bist: Der feine Herr Wilhelm, der große schwarze Herr. Groß, schlank, langbeinig – und elegant. Wie ein Panther im Miniformat hat er ausgesehen. Und war doch so ein friedlicher und ruhiger Zeitgenosse. Und Fredi, das flauschige Wölkchen! Der kleine Wirbelwind. Jetzt könnt ihr gemeinsam Jungssachen machen da oben, ihr drei! Und grüßt mir auch Propi schön, den alten Recken! Und Sonja, das Artistenmädchen! Und Rosi, die alte Dame! Und Tommy, den Clown! Und Tobi, der so jung gehen musste! Und wenn ihr auch mal Hunde trefft – ich weiß ja nicht, wie das ist, da, wo ihr jetzt seid – aber ich könnt‘ mir vorstellen, ihr seid da alle zusammen und es ist keine Zwietracht und keine Feindseligkeit zwischen allen Tieren – dann sag doch bitte auch Anka einen ganz lieben Gruß von mir. Ich war noch so klein, als sie gehen musste. Und sie hat doch immer aufgepasst, dass ich nicht verloren gehe im Garten – meine vierbeinige schwarze Nanny!

2013-10-31 20.46.23Ich danke von ganzem Herzen Frau Dr. Bendel, dass sie uns gestern geholfen hat, dass sie dir geholfen hat, deine letzten Meter über die Regenbogenbrücke zu gehen. Du hattest nicht die Kraft, von alleine zu gehen. Du wolltest so gerne gehen und hast mich die letzten beiden Tage so oft angesehen mit traurigen Augen. Und als du vorletzte Nacht angefangen hast, zu weinen und ganz unruhig im Schlafzimmer umhergewackelt bist, schon ganz schwach und konntest dich fast nicht mehr auf den Beinen halten, da war mir klar: ich muss dir diesen letzten Liebesdienst erweisen. So gerne hätte ich gehabt, dass du, der du immer so ein selbstbewusster kleiner Kerl warst, mit so viel Stolz, dass du das selbst entscheiden kannst, wann es Zeit wird und dass du einfach für immer einschlafen darfst, wenn es an der Zeit ist. Leider war uns das nicht vergönnt. Aber dennoch bist du schließlich mit Frau Dr. Bendels Hilfe ganz ruhig und friedlich in meinen Armen eingeschlafen. Mach’s gut, mein Dicker, erklär‘ den Jungs und Mädels da oben mal die Hausordnung und sorge dafür, dass sie sich benehmen! Das hast du ja hier auch immer gemacht, du kleiner Hausmeister! Irgendwann sehen wir uns wieder!

050

Die Schmerzgrenze der deutschen Öffentlichkeit oder: „Kantine ohne Fleisch ist wie Künast ohne ü“

Was gab es nicht alles für Skandale in der letzten Zeit, die man hätte öffentlich anprangern können: die hemmungslose Bespitzelung der NSA in aller Welt und in einer Gründlichkeit, die ehemaligen Stasi-Offiziere vor Neid ergrünen lässt. Den Skandal darüber, dass ein Mann sieben Jahre in der Psychiatrie verschwindet, weil er Wahrheiten ausspricht, und das nicht in Putins russischem Reich sondern mitten in Deutschland, naja, sagen wir, mitten in Bayern. Den Skandal um die Justizministerin dieses kriegerischen Alpenvölkchens, die sich nicht entblödet, nachdem sie zunächst alles getan hat, den Skandal um Gustl Mollath kleinzureden und jegliche Aufklärung daran wortreich zu verhindern, jetzt als Retterin von Gustl Mollath zu inszenieren. Nicht zuletzt der Dauerbrenner „Stuttgart 21“, der quasi im Tagestakt neuen Anlass zur Empörung gibt.

All das hätte man zum Anlass nehmen können, aufzuspringen und laut aufzuschreien: „SO NICHT!“.

Doch was passiert statt dessen? Statt dessen veröffentlicht die BILD-Zeitung, die Mutter allen Gossenjournalismus‘, die Keimzelle des schlechten Geschmacks und der Banalität einen „Artikel“, der vom reißerischen Titel bis zum letzten Komma schlicht und ergreifend durch und durch erstunken und erlogen ist und was tut das Volk? Es empört sich!

Worum ging es in dem „Artikel“ der Bild-Zeitung? Um nichts geringeres als um einen Punkt im Programm der GRÜNEN, der nicht nur schon mehrere Jahre alt ist, sondern der darüber hinaus etwas beinhaltet, was jeder, der auch nur für 10 ct. Verstand im Kopf hat, sofort und ohne Abstriche unterschreiben könnte, ganz gleich, ob er nun Parteigänger, Anhänger oder Mitglied der grünen Partei ist oder nicht. Es geht darin um nichts geringeres als darum, dass die Deutschen viel zu viel zu viel zu viel Fleisch essen und dass das mit immer mehr und mehr Leid für die Tiere in den Fleischfabriken, in den Schlachthöfen, in den „Produktionsstätten“ der Schnitzel, Burger und XXL-Steaks unserer Republik verbunden ist.

Das Schmierenblatt aus Hamburg mit den vier blutverschmierten Buchstaben titelte also ebenso falsch wie niederträchtig: „Die Grünen wollen uns unser Fleisch verbieten“. Und was passiert? Sofort geht ein Sturm der Entrüstung durch die Medienlandschaft. Der Blätterwald stürmt, die Kommentatoren von Nord bis Süd tragen Schaum vor dem Mund! Nochmal: nicht etwa über die Enthüllungen von Ed Snowden, oder darüber, dass jeden Tag Tausende und Abertausende unschuldige Männer, Frauen und Kinder in den brutalen Konflikten dieser Welt dahin geschlachtet werden, damit der eine oder andere durchgeknallte Potentat seine Allmachtsphantasien durchsetzen kann. Das wäre geradezu belanglos, es sind gleichsam Bagatellen verglichen mit dieser entsetzlichen Nachricht der Bild-Zeitung. SIE WOLLEN UNS UNSER FLEISCH VERBIETEN!!! Das kann ja wohl nicht wahr sein! jetzt wollen uns diese Öko-Faschisten schon vorschreiben, was wir essen dürfen!!

Haben wir dafür Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut mit unseren bloßen Händen? Haben wir dafür in Leipzig und Ostberlin für die Freiheit demonstriert? Haben wir dafür unsere Männer und Frauen in Afghanistan geopfert? Dass die Grünen uns jetzt unser Fleisch verbieten wollen??? 

Liebe Empörte, liebe an Rabies erkrankte Mitmenschen, liebe Grill-Nahkämpfer von FDP und CDU: die Grünen wollen euch gar nichts wegnehmen. Sie haben lediglich zum denkbar falschen Zeitpunkt, nämlich mitten in der heißen Phase des bislang vollkommen ereignislosen Bundestagswahlkampfes, einer Zeit also, in der alle Mittel erlaubt zu sein scheinen, versucht, euer Bewusstsein dafür zu schärfen, dass wir Deutschen in unserem Leben „Vier ganze Rinder, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner“ (Heinrich-Böll-Stiftung, „Fleischatlas 2013“) verputzen, für die in der Massentierproduktion zehntausende Schlachttiere auf brutalste Weise als „Produktionsfaktor“ auf Maximalausbeutung hin gezüchtet und getötet werden, dass man ihnen das Schmerzzentrum im Gehirn lahmlegt, damit sie nicht mehr spüren, wenn sie noch mehr „optimiert“ werden. Das alles ist euch aber egal, weil ihr am liebsten noch mehr Fleisch essen würdet, wenn es noch billiger wäre als es jetzt schon ist.

Weil ihr aber irgendwo in eurem Unterbewusstsein ganz offensichtlich ein unglaublich schlechtes Gewissen habt, das euch wieder und wieder und wieder einhämmert, wie krank das ist, dass Menschen in der dritten Welt an Hunger sterben, weil auf den Feldern, auf denen man Getreide anbauen könnte und damit alle Hungernden sättigen könnte, lieber Sojabohnen angebaut werden, monokulturell und die Böden auslaugend, um damit dann das Schlachtvieh zu füttern, dass auf eure Teller kommt; wie pervers es ist, dass bei uns unter erbärmlichen Zuständen unter anderem beim derzeitigen Hauptsponsor eines großen deutschen Fußballvereins Millionen und Abermillionen Hühnchen „produziert“ werden, von denen dann bestenfalls Brust und Keule auf unseren Tellern landen, während der Rest, das, wofür sich die fitnessbewusste deutsche Durchschnittssportlerin zu schade ist, mit dem Schiff nach Afrika (!!!!) transportiert wird, wo es dann so billig verkauft wird, dass die Einheimischen, die ein paar Hühner halten, davon gelegentlich eines schlachten und zum nächsten Markt tragen um es dort zu verkaufen, damit die Familie für die nächsten Tage versorgt ist, auf ihren Hühnchen sitzen bleiben und wieder kein Geld mit nach Hause bringen können… Ja, für die Fleischindustrie hierzulande ist es tatsächlich möglich, selbst dann, um es deutlicher zu sagen, wenn sie ihre FLEISCHABFÄLLE EXPORTIEREN, mit dem Schiff um die halbe Welt karren, diese vor Ort immer noch gewinnbringend zu verramschen – was den Einheimischen jede Möglichkeit nimmt, selbst etwas Geld zu erwirtschaften! „Erst kommt das Fressen und dann die Moral“, heißt es bei Bertolt Brecht. Hier ist es noch schlimmer: hier kommt erst das „fressen“, dann „fressen“ die Einheimischen dort unseren Müll, die Moral bleibt komplett auf der Strecke und die Manager der Geflügelindustrie freuen sich darüber, dass die Deutschen so scharf auf ihre Hühnchen sind.

Weil ihr das natürlich nicht zugeben könnt – deshalb, ja, deshalb shitstormt ihr lieber gegen die Grünen, die euch euer Schnitzel madig machen wollen. Auch wenn sie es eigentlich gar nicht wollen. Scheißegal.

Hauptsache, es gibt genügend Grillfleisch und die Bundesligasaison fängt pünktlich an. Dann herrscht wieder Frieden im Land. Dann ist der deutsche Michel selig. Schlaf, Michel, schlaf.

Ergänzend noch ein paar weiterführende Links zum Thema:

Der Blog-Beitrag meiner Blogger-Kollegin Marianne Kreichgauer, die sich auch sehr wertvolle Gedanken zu diesem Thema gemacht hat.

Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der  mal geschaut hat, was ein „veggie-day“ für diejenigen bedeutet, die unter dem unsäglichen Fleischkonsum der Deutschen am meisten leiden müssen.

Mal wieder „Veggie-Rabauki-Style“

Da ich heute ein wenig kränkle, habe ich keine allzu große Lust, „richtig“ zu kochen. Aber so krank, dass ich keinen Appetit hätte, bin ich definitiv auch nicht. Was liegt da näher, als etwas zu machen, was sich im wesentlichen von ganz alleine macht!

Ein lieber Mensch, der Stuttgarter Musiker und Online-Aktivist Thorsten „Putte“ Puttenat (Blog und Youtube-Kanal) nennt diese unkomplizierte, saumäßig leckere aber leider alles andere als vorbildliche Art, sich vegan zu ernähren den „Veggie-Rabauki-Style“. Und er sagt von sich, der Veggie-Rabauki zu sein. Nun denn, ab an den FastFood-Herd und was lecker rabaukiges gezaubert:

Frittierter Tofu mit Potatoe Wedges

Was man dazu braucht:

1 Pck. Räuchertofu
Sojasoße
Sonnenblumenöl
Erdnussöl
2 Knoblauchzehen
Saft einer halben Zitrone
2 Teelöffel Zucker
3 EL Speisestärke

neue Kartoffeln nach Lust und Laune
Olivenöl
Sesam
Pul Biber
Salz
Pfeffer

Die neuen Kartoffeln gut reinigen und in Viertel schneiden. Aus etwa 4 EL Olivenöl, Salz, Pfeffer und Pul Biber (etwa 1 TL) eine Marinade machen. Kartoffelviertel in einen Gefrierbeutel tun, Marinade dazu geben, Sesamsaat (3 EL) dazu geben. Gefrierbeutel verknoten, den Inhalt gut durchschütteln, dass sich die Kartoffeln mit der Marinade und der Sesamsaat gut verbinden können. Zur Seite legen.

Aus Sojasße, Sonnenblumen- und Erdnussöl, Knoblauchzehen, Zitronensaft und Zucker eine Marinade herstellen und in ein flaches verschließbares Gefäß (Tupperdose etc) geben. Den Räuchertofu in 3 Scheiben und dann in Streifen schneiden. In die Marinade geben, Gefäß gut verschließen.

Mindestens zwei Stunden gut ziehen lassen.

Backofen auf 200 Grad vorheizen, dann die Potatoe-Wedges auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und etwa 25 bis 30 Minuten backen.

Währenddessen in einer Stilkasserolle etwa 300 ml erhitzbares Öl erhitzen. Währenddessen den Tofu mit Speisestärke überstäuben und gut durchmischen, dass an allen Streifen die Stärke gut haften bleibt (das macht das Endprodukt knuspriger).

Wenn das Öl heiß genug ist, die Tofustreifen nach und nach unter ständigem Rühren in dem heißen Fett knusprig frittieren.

TIPP: Ob das Öl heiß genug ist, seht ihr, wenn Ihr den Stiel von einem Holzlöffel kurz in das Fett taucht. Wenn sich kleine, sprudelnde Bläschen bilden, ist das Fett heiß genug.

Die fertigen Tofustreifen auf ein Küchenkrepp legen, damit das überschüssige Fett aufgesaugt wird.

Aus Ketchup und Currypulver einen Dip herstellen.

Alles auf einem Teller anrichten – fertig!

Guten Appetit!

veggierabauki